Tolerance – missverstanden, falsch angewandt
Author:
Thomas Cosmades
Ein
selbstgefälliger islamischer Fundamentalist in Italien, verärgert über
den Anblick eines Kruzifixes in einem Klassenzimmer, klagte dagegen vor
Gericht. Im heutigen säkulären, nach-christlichen Europa gab das Gericht
nach und urteilte, dem Trend gemäß, zu Gunsten des Anklägers. Das
Kruzifix musste entfernt werden. Das Urteil sorgte für Beunruhigung im
Lande. Jeder, der mit Muslimen in Berührung kommt, wird jedoch öfters
unter lautstarker Selbstgefälligkeit zu hören kriegen: „Der Islam ist
eine tolerante Religion!“ Das Wort Toleranz, heutzutage sehr in
Mode, muss neu bewertet werden. Was steckt eigentlich hinter dem
Gedanken der Toleranz, wie er allgemein vom sprichwörtlichen Menschen
auf der Straße verstanden wird? Unter einer Anzahl Definitionen aus
Wörterbüchern ist die kürzeste es wert, zitiert zu werden: „Duldung,
Duldsamkeit,“ so heißt es im Duden.
In
einer Welt unterschiedlicher Glaubensrichtungen und miteiander in
Konflikt stehenden Glaubensbekenntnissen wird die Duldung als eine
Handlung lobenswerter Freizügigkeit angesehen. Um es einfach
auszudrücken: “Im Grunde stimme ich mit deiner Überzeugung nicht
überein, aber ich lasse sie so stehen. Ich werde sie eben dulden.”
Duldsamkeit ist geneigt, entweder gekünstelt und langgestreckt oder,
umgekehrt, eng und zusammengezogen zu sein – je nach individuellem
Erachten. Jeder Beobachter dessen, was in unserer Welt geschieht, kann
das Auf und Ab der Toleranz je nach Ausgewogenheit des Urteils der
Ausübenden bezeugen. Sie fügt sich ganz und gar dem Wunsch oder Gefallen
dessen, der sich in der stärkeren Position befindet. Duldsamkeit ist
somit nichts anderes als unauffällige Nichtanerkennung.
Die
Zügel sind ganz in der Hand des Ausübenden, verbunden mit der stets
präsenten Mahnung: „Solange es mir passt, dulde ich dich und deinen
Glauben. Aber ich behalte mir das Recht der Nichtanerkennung vor.
Vergiss nicht meine Vorrangstellung. Ich bin Geber und Nehmer dessen,
was dir erlaubt ist. Darum sei vorsichtig!“ Christen als Minderheit in
islamischen Ländern leben oftmals unter dem „Schutz“ dieser unauffällig
raffinierten Taktik – und sind sich dessen stets bewusst. Kleinasien,
die Länder des Mittleren Ostens, ganz Nordafrika – bis hin zur
altlantischen Küste – stehen im deutlichen Widerspruch zur
selbstgefälligen, oft beschworenen Toleranz des Islam.
Der
Islam ertreckt nunmehr seinen Maßstab auch auf solche Länder, wo er sich
auf keine geschichtlichen Wurzeln berufen kann; es sei denn durch
zufällige Eroberungen, die längst in der Vergangenheit liegen. Der Tag
ist nicht mehr fern, an dem neuangekommene Muslime in demokratischen
Ländern diktieren werden, was zu tolerieren ist und was nicht. Sie
machen sich Normen und Praktiken in nicht-islamischen Ländern mehr und
mehr zur eigenen Angelegenheit. Und es ist Besorgnis erregend, wie ihnen
hier das Recht auf Toleranz oder auch Nicht-Toleranz zugestanden wird.
Die zahlreichen Menschen, die sich Toleranz zu eigen machen, sind schwer
am Wirken. Diese selbstgefälligen, herrisch auftretenden Personen
sollten zunächst das eigene Innenleben unter dem höheren Licht Gottes
überprüfen, um einmal gewahr zu werden, wie viele intolerable Praktiken
sie innerlich tolerieren!
Pendelschwingungen
Apropos
Toleranz – das Thema führt uns in einen weiteren Bereich. Dieses
Zeitalter brüstet sich als nach-christlich und postmodern. Die
Grundsätze der auf Gott ausgerichteten Ethik und Moral wurden über Bord
geworfen. Stattdessen werden wir gedrängt, mit der veränderten Zeit
Schritt zu halten, und das heißt notwendigerweise tolerant zu sein. Der
gegenwärtigen Forderung zur Toleranz darf man jedoch nicht
widersprechen, falls man damit nicht einverstanden ist. Die neue
Realität ist festgelegt. Man hat kein Recht, darüber die Stirn zu
runzeln oder zu versuchen das Tempo zu verändern. The show must go on
– während alle mit Duldermiene mitmachen, ob es ihnen gefällt oder
nicht. Wenn es dir nicht gefällt, kümmere dich um deinen eigenen Kram!
Jeder
hat das Recht, so zu handeln, wie es ihm oder ihr nützlich erscheint, so
heißt es. Es soll sich niemand das Vorrecht nehmen, die Handlungen eines
anderen zu bemängeln. Dies wird die neue Realität genannt, der
gegenwärtige Trend, der neue Lebensstil usw. Die Wahl erstreckt sich von
anekelnden Kunstformen bis hin zu sexuellen Innovationen, die größere
Lustbefriedigung versprechen. Diese markante Gesinnung steht im
Gegensatz zur antiken Vorstellung des Hedonismus, in dem gelehrt
wurde, das alles, was Schmerzen verursacht, zu meiden und zu verwerfen
sei. Unser Zeitalter hat das alte griechische Streben nach Vergnügen
längst überholt. Was haben wir als Ersatz eingebracht, nachdem wir nun
Gottes Grundsätze über Bord geworfen haben?
Vor
uns liegen zwei verwirrende Konzepte von Toleranz, die von einem Extrem
zum anderen reichen. Da soll ein Kluger versuchen, sie miteinander zu
vereinbaren! Beide zeugen vom Verlust grundlegender Qualitäten wie
Liebe, Respekt, Ethik, Moral, Frieden usw. Die Wurzel allen Übels ist
das selbstsüchtige, stolze, gleichgültige Menschenherz, das unbedingt
der Wiedergeburt von oben bedarf. Die von Jesus Christus verkündeten
Seligpreisungen erläutern die Grundnöte des eitlen Menschensinnes:
„Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie
sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden
Barmherzigkeit erlangen“ (Matthäus 5,5-7).
Wer
erteilt das Recht?
Die
in der erstgenannten Kategorie Beschriebenen sollten sich fragen lassen:
Wer gab dir das Recht, den Glauben und das Bekenntnis anderer zu
tolerieren oder nicht zu tolerieren? Woher nimmst du dir das Recht, die
Toleranz, deren Zügel du in der Hand hältst, zu beschneiden? Nein,
danke! Ob du Muslime bist oder Hindu oder sonst etwas, ich brauche keine
Toleranz deinerseits, um die Gebote meines Gottes und meines Gewissens
zu befolgen. Meine Freiheit ist nicht von deiner Zustimmung oder auch
Nichtanerkennung abhängig. Ich bin bereit, sie bis zum Tode zu
verteidigen. Hast du je gehört, was Voltaire (1694-1778) einmal zu einem
Christen sagte, der ihm erklären wollte, was es mit dem Glauben an Jesus
Christus auf sich hat? Am Ende erwiderte Voltaire:
"Ihre Meinung ist mir zwar widerlich, aber
ich werde mich dafür totschlagen lassen, dass Sie sie sagen dürfen."
Gehen
wir über zum anderen Aspekt der Toleranz und fragen: Wer gibt dir das
Recht, schon lange bestehende moralisch-ethische Prinzipien zu ändern
und solche mit gegensätzlicher Wirkung an ihre Stelle zu setzen? Woher
nimmst du dir das Mandat, dein Gütesiegel dem aufzudrücken, was andere
als veränderten Sittenkodex geschrieben haben? Wie rechtfertigst du dich
dabei, wenn du in schamloser Weise Übertretungen von so lange schon
überlieferten Geboten der Gerechtigkeit, des Anstands, der Schönheit und
der wahren Freiheit gutheißt? Mit wessen Vollmacht versuchst du, mir und
vielen anderen den Zwang aufzuerlegen, Verhaltensweisen zu tolerieren,
die unsere Seele vergewaltigen und unsere Grundüberzeugungen schänden?
Niemand
lässt stillschweigend solche Scharlatane gewähren, die mit den Gesetzen
der Mathematik, Physik, Chemie und dergleichen Kurpfuscherei betreiben.
Jeder, der mit selbst gestrickten Formeln daherkommt, würde Gefahr
laufen, als Paria abgestempelt zu werden. Doch wir leben in einem derart
schlüpfrigen Zeitalter, dass man uns sagt, wir sollten uns gegenüber
jeglichem Fehlverhalten ja recht unberührt geben – um der Toleranz
willen. Christen glauben an einen Gott, der heilig ist und Sünde in
keiner Form dulden kann. Er ist zugleich der Gott, der den Sünder wie
auch die engstirnige Person liebt. Er ist langmütig und lädt den Sünder
ein, zu ihm umzukehren. Er kam in diese Welt und litt, um Sünder zu
erretten. Doch unter keinen Umständen ist er bereit Sünde, in welcher
Gestalt auch immer, zu tolerieren. Er spricht mit allem Ernst in seinem
Wort: „Das tust du, und ich schweige; da meinst du, ich sei so wie
du“ (Psalm 50,21)... „Sie wissen, dass, die solches tun, nach
Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern
haben auch Gefallen an denen, die es tun“ (Römer 1,32)
Wer
sich selbstgefällig seines toleranten Verhaltens rühmt, sollte die
Angelegenheit einmal von einem anderen Standpunkt aus betrachten.
Vielleicht ist erüberrascht zu entdecken, dass Christus böse Taten nie
und nimmer toleriert. Weil er Sünde nicht tolerierte – weder erlittene
noch begangene – nahm er unsere Sünde auf sich und zahlte den Preis der
Strafe mit seinem eigenen kostbaren Blut, um Sünder mit dem gerechten
Gott, seinem Vater, zu versöhnen. Er handelt nicht willkürlich, sondern
richtet in aller Fairness und Aufrichtigkeit. Er räumt mit der Sünde
auf, ohne auf menschliche Toleranz zu achten; denn er ist der Einzige,
der schlussendlich das Urteil über Recht und Unrecht sprechen wird. Er
ist der Einzige, der jede menschliche Tat richten wird. Er wird nur mit
dem Übertreter tolerant umgehen, der seinen stellvertretenden Opfertod
für sich anerkennt. Seine Einladung gilt jedem, einschließlich Ihnen,
dem Leser. Lassen Sie sich nicht einfangen durch gekünstelte Fantasien
von Toleranz. Und umgekehrt: Glauben Sie an Gott durch seinen Sohn Jesus
Christus, der bereit ist, Ihnen die Vergebung und ein herrliches, nie
endendes Leben zu schenken.
Thomas Cosmades, E-mail:
cosmadesx@gmx.net
©2004
Alle Rechte vorbhalten.
Deutsche Übersetzung: Dr. H. Sünderwald
Åêôýðùóç / Print

Home
|